Unsichtbare Berührung
Komposition für Klavier, Querflöte, Schlagwerk und Live-Elektronik
Uraufführung: 1. November 2026, Funkloch Zürich
Was passiert mit einem Live-Moment, wenn Klang nicht von einer Bühne kommt, sondern aus den Smartphones des Publikums?
«Unsichtbare Berührung» ist eine Komposition für Klavier, Querflöte, Schlagwerk und Live-Elektronik, in der die Grenzen zwischen Bühne, digitalem Raum und Publikum neu verhandelt werden. Die Elektronik wirkt nicht begleitend — sie ist das transformative Bindeglied, das alle Ebenen des Stücks zusammenhält: Die akustischen Klänge der Instrumente werden in Echtzeit verarbeitet, transformiert und über ein Netzwerk in den Raum zurückgeführt.
Zentrales Element ist die Einbindung des Publikums über dessen eigene Smartphones. Über einen Webserver verbinden sich alle Geräte im Raum zu einem gemeinsamen Klangnetz. Die Zuhörenden werden zu Mitwirkenden: Sie erzeugen Klänge direkt auf ihren Geräten, arbeiten mit Tönen und Geräuschen und gestalten so den dramaturgischen Verlauf der Komposition aktiv mit.
Die Partitur ist als offenes System angelegt: Sie folgt einem zeitlichen Gerüst, lässt jedoch bewusst Raum für Feedbackschleifen und spontane Reaktionen aus dem Publikum. Was entsteht, ist eine besondere Form von «Liveness» — nicht trotz der technologischen Vermittlung, sondern gerade durch sie: Der Moment ist einmalig und unwiederholbar, weil er von der konkreten Konstellation der anwesenden Menschen, Geräte und Räume abhängt.
Der Sonotop
Das Stück entwickelt das Konzept des Sonotops weiter — eines Klangraums, der nicht durch eine zentrale Quelle definiert ist, sondern durch das heterogene Ensemble aller anwesenden Geräte. Jedes Smartphone klingt anders, jeder mobile Lautsprecher hat einen anderen Abstrahlcharakter, die PA-Anlage einen anderen. Diese akustischen Differenzen werden zur kompositorischen Ressource: Nähe und Distanz, intime Nahzone und öffentlicher Raum werden als räumliche Parameter in die Partitur eingeschrieben. Das Ensemble auf der Bühne und das Publikum im Saal verschmelzen klanglich zu einem einzigen, vielstimmigen Instrument.
Technisches Framework
«Unsichtbare Berührung» ist die erste vollständige Realisierung des Frameworks Responsive Space, das seit 2019 in Zürich entwickelt wird. Im Zentrum steht das Open-Source-System soundworks (IRCAM, Paris) für verteilte, netzwerkbasierte Klangperformances. Es verbindet die modulare Live-Elektronik (Little Modular/SuperCollider) mit mobilen Lautsprechern (Cloudspeakers) und den Smartphones des Publikums — erreichbar über den Browser, ohne App-Installation.
Hintergrund
Das Vorhaben baut auf einer mehrjährigen Forschungs- und Aufführungsreihe auf:
- Open Form III — Web Audio Conference 2019; Lange Nacht der Musik Zürich 2021
- Toni Views — Installation, ZHdK Zürich 2020
- Through the Cloud — Sonify Festival Graz 2023; multimediale Performance mit Publikums-Smartphones
Die theoretische Grundlage bildet die Dissertation «Liveness durch die Distribution von Klang und Bild im Raum» (Kunstuniversität Graz / ZHdK).
Besetzung: Klavier, Querflöte, Schlagwerk, Live-Elektronik
Framework: soundworks (IRCAM) · Little Modular · Cloudspeakers
Forschungsreihe: Responsive Space
