Little Modular
Ein kleines, autonomes Modularsystem für Improvisation, Komposition und verteilte Klangperformances.
Was ist das?
Little Modular ist mein portables Eurorack-System — 64HP, also etwa die Breite eines DIN-A4-Blatts. Es ist das Herzstück meiner Live-Elektronik-Arbeit: ein eigenständiges System, das Klang produziert, verarbeitet, aufnimmt und über Netzwerke verteilt, ohne dass ein Computer auf der Bühne stehen muss.
Der Name sagt es: klein, modular, konzentriert.
Das Rack

Ein Eurorack-System besteht aus einzelnen austauschbaren Modulen, die über Patchkabel miteinander verbunden werden. Jedes Modul hat eine spezifische Funktion — Klang erzeugen, formen, synchronisieren. Die Verbindungen entscheiden über das Ergebnis. Kein Patch gleicht dem anderen.
Die Module
Bela Salt — das Gehirn
Das zentrale Modul ist das Bela Salt: ein kleiner Einplatinencomputer direkt im Eurorack-Format. Darauf läuft SuperCollider, eine Programmiersprache für Klangsynthese und algorithmische Komposition. Ich habe Granulator-Patches geschrieben, die live Klang aus der Noisebox aufnehmen und in Klangkörnern wieder ausgeben — zerstreut, verschoben, gedehnt.
Granularsynthese funktioniert so: Ein Klang wird in winzige Fragmente (Körner) zerschnitten und diese Körner werden neu angeordnet, überlagert und mit variabler Geschwindigkeit abgespielt. Was herauskommt, kann wie der Ausgangsklang klingen — oder wie etwas völlig Fremdes.
Ein zweites Modul, Bela Pepper (selbst zusammengebaut), läuft parallel und erlaubt es, mit alternativen Synthese-Ansätzen zu experimentieren.
Noisebox — die Klangquellen
Metallplatten, Federn und ein Kontaktmikrofon, das direkt in das Rack einspeist. Diese akustischen Objekte sind die Klangquellen — roh, unberechenbar, physisch. Das Befaco MIC-Modul wandelt das Signal in Eurorack-Pegel um.
Teletype — Skripte im Rack
Das Teletype-Modul ist ein Microcomputer im Eurorack-Format, der über eine USB-Tastatur programmiert wird — direkt auf der Bühne, in Echtzeit. Kurze Skripte steuern Trigger und CV-Signale, erzeugen Rhythmen und Modulationen, die wiederum andere Module beeinflussen. Algorithmisches Denken, das sofort klingt.
W/ — der Zeitnavigator
W/ ist ein Looper-Modul von Monome, das mehr kann als Schleifen abspielen: Es erlaubt, sich durch die aufgenommene Geschichte des Klangs zu bewegen — vorwärts, rückwärts, an beliebigen Punkten. Vergangenes wird Material.
Faderfox UC4 — der Regler
Über USB verbunden steuert der Faderfox UC4 das Bela Salt via MIDI: acht Drehregler und acht Schieberegler geben physischen Zugriff auf Granulator-Parameter, Lautstärken, Effektstärken.
Visual Node — das Bild
Parallel zum Rack läuft ein Raspberry Pi 5 mit einer PiSound-Audiokarte. Dieser empfängt den Klang aus dem System, analysiert ihn in Echtzeit und steuert damit WebGL-Shader, die über HDMI auf einen Beamer ausgegeben werden. Vier Frequenzbänder — Bass, Low, Mid, High — treiben unterschiedliche visuelle Parameter. Das Bild folgt dem Klang.
Das System ist vollständig autonom: einmal eingesteckt, läuft es ohne weitere Eingriffe.
Eurorack → PiSound → Web Audio API → WebGL Shader → Beamer
Was entsteht damit
Der Klangfluss im System:
Noisebox (Federn, Metall)
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Bela Salt (SuperCollider Granulator)
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Lautsprecher Visual Node
(Raspberry Pi → Beamer)
Die Granulator-Aufnahmen werden auch über Netzwerk verteilt — an Smartphones im Publikum, an andere Lautsprecher-Nodes im Raum. Dafür nutze ich Soundworks, ein Framework des Ircam Paris für verteilte Audio-Performances.
Einsatz
Das System ist darauf ausgelegt, in verschiedenen Kontexten funktionieren zu können:
- Offene Werkstatt (monatliche Impro-Session): Little Modular im Ensemble mit 2–4 Musikerinnen und Musikern, Stereo-Ausgabe
- «Insekten» (babykonzert.ch, August 2026): kein Computer, nur Little Modular, Tonbandgeräte und mobile Lautsprecher
- «Unsichtbare Berührung» (Funkloch, November 2026): Klavier, Flöte, Schlagwerk und Live-Elektronik, Klangverteilung über Smartphones im Publikum
Warum modular?
Ein Modulsystem denkt anders als Software. Jede Verbindung ist sichtbar — ein Kabel von A nach B. Wenn etwas nicht klingt wie erwartet, ist das meistens interessant. Fehler werden Teil der Komposition. Das System hat eine eigene Physik.
Gleichzeitig ist alles programmierbar: SuperCollider auf Bela, Skripte auf Teletype, Shader auf dem Raspberry Pi. Die Hardware gibt Grenzen vor, der Code bewegt sich darin.
Little Modular ist ein laufendes Projekt — das Setup entwickelt sich mit jedem Auftritt weiter.

